Die Burg bleibt ein Luftschloss

So titelte der Zwieseler Bayerwald-Bote am 8. Februar 2018

Das Projekt wurde aus landesplanerischer Sicht negativ beurteilt.

Aufatmen bei den Anwohnern und auch beim BN, der das Projekt von Anfang an negativ beurteilt hat. "Wir sind froh, dass es ein Schauermärchen mit gutem Ausgang geblieben ist," so Roland Schwab, Vorsitzender der Kreisgruppe Regen.

Eine fast ganzseitige Zusammenfassung zur Stimmung in der Region und beim Projektinitiator hat die Zwieseler Redaktion des Bayerwald-Boten am 8. Februar veröffentlicht. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Um zu verdeutlichen, wie viel Arbeit das "Luftschloss" bei der Regierung von Niederbayern, bei Verbänden und verantwortungsvollen Kritiktern ausgelöst, und damit Steuergelder gebunden hat, sei auf den umfangreichen Abschlussbericht des Raumordnungsverfahrens und die Zusammenfassung der Stellungnahmen verwiesen. Besonders die Stellungnahmen sind interessant. Sie ermöglichen ein gutes Stimmungsbild wie sich manche Verantwortliche die Weiterentwicklung unserer Heimat vorstellen.


Mittelalterlicher Natur- und Erlebnispark mit Übernachtungseinrichtung im Zwieseler Winkel

Ein Schauer ging durch das Land, als die Projektideen publik wurden.

Mit einer Fantasie-Hotel-Burganlage, die dem Mittelalter nachempfunden sein soll, gibt der Ideengeber vor, den Tourismus in der Region nachhaltig beeinflussen zu können. Die Projektunterlagen sind im Rahmen eines Raumordnungsverfahren veröffentlicht. Wer sie eingehend studiert, kommt vermutlich, wie wir auch, zu dem Ergebnis: "Ein Schauermärchen, das hoffentlich nie umgesetzt wird."

Der Burghotel Initiator Sebastian Schauer zieht seit Jahresbeginn auf der Suche nach Unterstützern durch das Land. Es scheint, als wolle man kurz vor Abschluss des Planfeststellungsverfahrens nochmal Druck auf die Entscheider aufbauen. In diversen Pressemeldungen haben politische Organisationen, Mandatsträger und Bürgermeister ihre Sympathie mit dem Projekt bekundet.

Besonders bedenklich stimmt die positive Haltung der Bürgermeister und Tourismusverantwortlichen der FNBW, Ferienregion Nationpark Bayerischer Wald, wie sie in der Pressemeldung vom 4. Januar veröffentlicht wurde. Zum einen arbeitet man seit Jahren und mit hohem Fördermitteleinsatz an einer Ausrichtung als nachhaltige Urlaubsdestination. Gleichzeitig schreckt man aber nicht davor zürck, Landschaft und kulturelle Identität einem Luftschloss zu opfern. Es stimmt sehr bedenklich, wenn Tourismusexperten das Geschäftsmodell nicht weiter auf Wirtschaftlichkeit prüfen und kritiklos den nächsten Leerstand für die Region in Kauf nehmen. Wer sich nur an einen geheimnisvoll verpackten Strohhalm klammert, verkennt das tatsächliche Potential der Region. 


Stellungnahme des BN

Der Bund Naturschutz lehnt den Mittelalterlichen Natur- und Erlebnispark mit Übernachtungseinrichtung im Zwieseler Winkel ab.

Die ausführliche Stellungnahme finden Sie hier:

Auszug aus unserer Stellungnahme:

Der Urlaubsgast verbindet mit dem Bayerischen Wald eine intakte Natur- und Kulturlandschaft, wie sie im direkt angrenzenden Nationalpark Bayerischer Wald anzufinden ist. Die Gemeinden um den Nationalpark stellen gerade dieses unverfälschte und „echte Naturerleben“ seit neuestem in das Zentrum ihrer touristischen Vermarktung. Aus diesem Grund wurde die Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald mit Sitz in Spiegelau gegründet, der auch die Gemeinden Zwiesel, Lindberg und Frauenau angehören. Hauptziel dieses Zusammenschluss ist es, die Nationalparkregion als Ort für authentische Naturerlebnisse zu bewerben.

Eine künstliche Burganlage in unmittelbarer Nähe zum Nationalpark dürfte wohl kaum in das oben beschriebene Tourismuskonzept der Gemeinden passen. Auch gibt es in der Region keine Tradition mit vergleichbaren Anlagen. Die Gegend war in früheren Zeiten durch Forstwirtschaft und Glasherstellung geprägt. Dies wirkt bis heute identitätsstiftend. Auch hier kann die geplante Burganlage an keine Identitätsstiftende Tradition anschließen. Aus unserer Sicht wirkt sie störend auf das touristische Erscheinungsbild der Region.

Entgegen der Darstellung im Erläuterungsbericht soll der Naturerlebnispark in einem vergleichsweise artenschutzfachlich wertvollen Gebiet errichtet werden. Dabei sind Auswirkungen auf die Lebensstätten vor allem der Fledermausarten durch Licht- und Lärmemissionen und Trennwirkungen als erheblich einzustufen. Sie können nicht ausreichend ausgeglichen werden, da gleichwertige Strukturen in der Umgebung fehlen.

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