Wildtiere im Fadenkreuz

Bei aller Freude über die Rückkehr vieler Tierarten, wie Wildkatze, Kolkrabe und Co: Es ist ein offenes Geheimnis, dass in deutschen Wäldern illegal Wildtiere abgeschossen werden. Wölfe, Luchse, Raubvögel, auch Wildkatzen wurden bereits erschossen aufgefunden. Ein Team des Bayerischen Fernsehens wollte dem Phänomen auf die Spur kommen und machte sich in der Sendung "Tatort Luchswald" auf den Weg in den Bayerischen Wald.

Ein Gastbeitrag von Angela Schmid und Angela Grass, Bayerisches Fernsehen

Das Gebiet um den Großen Arber im Bayerischen Wald gilt als das "Bermudadreieck der Luchse". Wie Fotofallen zeigen, verschwinden regelmäßig Raubkatzen. Oft spurlos. Aber dann werden zwei tote Luchskatzen entdeckt. Vergiftet und erschossen. Jetzt müsste es doch möglich sein, Spuren zu sichern, den Täter zu fassen. Fehlanzeige! Dazu kam es bis heute nicht, obwohl eine Prämie von über 15 000 Euro ausgesetzt ist.

Für uns Münchner Journalisten war das nicht nachvollziehbar und wir machten uns mit einem Filmteam und dem bekannten Tatortkommissar Andreas Hoppe als Frontmann auf den Weg, um nachzuforschen, was da los ist, warum niemand reden will.
Wir haben durchwegs erlebt, dass alle Leute oder Informanten, mit denen wir gesprochen bzw. telefoniert haben, Angst hatten. Sie wollten persönlich nicht in dem Film mit ihren Aussagen auftauchen. Wenn überhaupt waren sie nur bereit, anonym etwas zu sagen. Es herrscht also scheinbar eine Angst vor "sozialer Bestrafung", Ausgrenzung in der Jägerschaft, im Ort etc. bis hin zu extremen Ängsten wie "Die zünden mir das Haus an!" oder "Ich habe Angst, dass die mir meinen Hund vergiften!". Wir bekamen das Gefühl, dass die sozialen Strukturen im Bayerischen Wald stark sind: Jeder kennt jeden oder ist irgendwie verwandt. Wer will schon in seinem täglichen Umfeld angefeindet werden?

Die Bevölkerung befürwortet groß teils den Luchs, wie Umfragen zeigen und es gibt auch Jäger, die durchaus bereit gewesen wären, mit uns zu sprechen. Aber irgendwas ist dann geschehen. Plötzlich war Funkstille. Alle Termine wurden abgesagt. Druck "von oben", vom Jagdverband oder ihren Kreisjagdgruppen?
Wir fragen uns immer wieder, warum die Jägerschaft bereit ist, einige wenige "schwarze Schafe" in ihrer Mitte zu decken. Warum riskieren Jäger ihren Ruf? Es handelt sich bei Wilderei immerhin um eine Straftat. Und das Gesetz gilt eigentlich für alle. Im Grunde genommen scheint das Bedürfnis groß zu sein, endlich aus den negativen Schlagzeilen herauszukommen. Reaktionen von Zuschauern nach der Sendung zeigen: Viele wünschen sich, dass die Verunglimpfungen ihrer Region als Hotspot illegalen Tuns endlich ein Ende hat.
Wir sind überzeugt: Das kann erst Realität werden, wenn Wilderei nicht mehr durch von in der Region verwurzelten Beamten geleitet wird.