Die frei fließende Donau

Die Donau, die zwischen Straubing und Vilshofen noch völlig frei fließen darf, wird oft als die zentrale Lebensader unserer Region bezeichnet. Nur noch ganz selten können wir in Bayern das Schauspiel einer ungehinderten Flussdynamik beobachten, die nicht durch Stauwehre unterbrochen wird. Daher konnte sich eine große Vielfalt von Biotopen und Arten erhalten. Durch die Pläne des Freistaates Bayern, eine neue Staustufe zu bauen, ist dieser einzigartige Flussabschnitt akut gefährdet. Auf der Internetseite der Kreisgruppe Deggendorf des Bundes Naturschutz finden sie ausführliche Informationen zur Donau.

Die Nullvariante

Im Raumordnungsverfahren zum Donauausbau wird die Variante mit der Staustufe (C 2,80), die wir völlig ablehnen, einer Variante A gegenübergestellt, die rein aus flussbaulichen Maßnahmen besteht. Der Bund Naturschutz hat in seiner Stellungnahme festgehalten, dass er sich diese Variante als äußersten Kompromiss vorstellen kann, stellt aber fest, dass sie ebenfalls mit erheblichen Eingriffen verbunden ist und daher auch "noch in erheblichem Umfang weiter optimiert werden muss".

Eine im Auftrag des Landtagsabgeordneten Eike Hallitzky im Mai 2009 fertiggestellte Studie (in voller Länge auf der Homepage des Abgeordneten nachzulesen) über die verkehrliche Bedeutung der Wasserstraße Donau geht allerdings noch weiter und kommt zu dem Schluss, dass sich "aus verkehrlichen Gründen keinerlei Ausbau der niederbayerischen Donau rechtfertigen lässt – kein kostspieliger, Umwelt zerstörender Ausbau nach der Variante C 2,80, aber auch kein flussbaulicher Ausbau (Variante A)".

Also nachdenken über die Nullvariante (überhaupt kein Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen). Das wäre die ökologisch und ökonomisch beste Lösung!

Was geht uns die Donau an?

Auch die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Regen kommen gerne an die Donau, deren Ursprünglichkeit zu den verschiedensten Freizeitaktivitäten reizt. Die Waldbahn bietet im Stundentakt Verbindungen nach Deggendorf, Straubing und Vilshofen.

Daher ist auch uns Naturschützern von der Kreisgruppe Regen der Erhalt der frei fließenden Donau ein wichtiges Anliegen. Das Donaufest der Umweltschutzverbände, das traditionell jedes Jahr an Himmelfahrt in Niederalteich stattfindet, haben wir in unser Jahresprogramm aufgenommen. Auch der Umweltaschermittwoch in Plattling stand wieder im Zeichen des Einsatzes gegen den Donauausbau mit Staustufe.

Energiespeicher Riedl; Hände weg von den Donauleiten

Anfang März 2010 trat eine Betreibergesellschaft, bestehend aus dem größten österreichischen Stromkonzern "Verbund", der E.ON und der Rhein-Main-Donau AG (RMD), mit Plänen für ein Pumpspeicherkraftwerk bei der Staustufe Jochenstein an der österreichischen Grenze an die Öffentlichkeit (Bild links, kann durch Anklicken vergrößert werden). Dabei sollen zu verbrauchsarmen Zeiten, also vor allem nachts, riesige Mengen Wasser aus dem empfindlichen Ökosystem der Donau unterirdisch unter dem wertvollen Naturschutzgebiet "Donauleiten" in ein Speicherbecken nahe der Ortschaft Riedl 300 Meter über dem Fluss hochgepumpt werden. Zu Zeiten erhöhten Spitzenstrombedarfs kann das Wasser von dort in ein Turbinenhaus abgelassen werden, das ebenfalls ins Innere des NSG hineingebaut wird. Die Betreiber begründen ihr Vorhaben damit, dass dadurch der Einsatz der regenerativen Energiequellen Sonne und Wind, die nicht immer zur Verfügung stehen, unterstützt und die Abschaltung der Atomkraft beschleunigt werden könne.

Der Bund Naturschutz lehnt das Projekt ab, weil die Beeinträchtigungen in dem Naturschutzgebiet mit den absolut seltenen Arten Äskulapnatter und Smaragdeidechse trotz aller Versprechungen nicht zu vermeiden sind und der Eingriff in die Landschaft und das Leben der Menschen im Umgriff des riesigen eingezäunten Speicherbeckens mit einem 30 Meter hohen Damm unverantwortlich ist. Auch energiepolitisch bestehen erhebliche Zweifel an dem Vorhaben. Da das Projekt von großen Energiekonzernen getragen wird, die mit der Atomkraft verquickt sind, gibt es durchaus Anlass zu der Befürchtung, dass es genauso gut zur Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke dienen kann. In jedem Fall widerspricht das Großprojekt dem auch vom Bund Naturschutz verfolgten Ziel einer durchgehend dezentralen Energieversorgung.

Nähere Infos zum Projekt im Regiowiki, auf der Homepage der Kreisgruppe Passau unter "Brennpunkte vor Ort", sowie auf der neuen Homepage der Interessengemeinschaft RiGoJo (Riedl-Gottsdorf-Jochenstein).

Ein sehr aufschlussreiches Gutachten zu den Umweltauswirkungen des Projekts wurde im November 2010 der Öffentlichkeit vorgestellt.